4-28-2007 Saturday Berlin at the Knaak    

Die irren Geräusche entfernten Gekreischs, Lachens und allgemeinem Chaos machten es etwas schwierig, Schlaf zu finden, aber da der Tag eine einzige Reizüberflutung gewesen war, konnte ich schließlich doch noch schlafen. Bald aber war ich wieder wach, und um sechs Uhr morgens entschied ich, daß ich doch mein Workout für diese Tour mit einem kleinen Lauf durch die Straßen des frühmorgendlichen Hamburgs fortsetzen könnte. Die Gegend beim Hotel und die Reeperbahn sind ein wenig wie unsere East Side oder die Water Street in Milwaukee - eine liberale junge und fast schon wilde Gegend, aber anders als in Amerika, übersät mit großen Gruppen noch immer wüst Feiernder, die aus Flaschen trinken und in der Morgensonne schwanken. Es ist toll, zwischen diesen Deutschen hindurchzurennen, da dies nichts mit Sprachübungen zu tun hat, und während ich laufe, fühle ich mich wie ein unerkannt bleibender Spion. Danach möchte ich gerne noch mehr sehen, also gehe ich ein wenig spazieren, um mir die Reeperbahn anzusehen. Ich glaube, daß ich zu früh aufgestanden bin und gehe zurück ins Hotel und lege mich noch für ein paar Stunden ins Bett.

Eine Überraschung erwartet uns später am Morgen in der Lobby - unsere Instrumente sind da, Pauls Gepäck aber noch immer nicht. Auf dem Weg nach Berlin halten wir in einem vergeblichen letzten Versuch, diesen ‘Letzten Mohikaner’ zu finden, nochmals am wunderschönen Hamburger Flughafen, doch das erweist sich als einigermaßen fruchtlos. Das Gute ist jedoch, daß sein Koffer zuletzt in London gesehen wurde. Zumindest ist er nun auf dem selben Kontinent, meint Paul optimistisch.

Der Auftritt im Knaack in Berlin ist sehr toll. Vor der Show treffe ich Fans aus dem Beatallica-Onlineforum. Diese coolen und verrückten Typen haben T-Shirts und Dog Tags für uns gemacht. Dann geben sie uns auch noch Bier, Bier in wirklich großen Flaschen. Es war lecker, doch ich könnte schwören, daß es Einliterflaschen waren, als ich mir eine davon hinunterkippte, um wieder in den Laden und zu meinem Auftritt zu gehen. Dennis, Hemi und Bass sind die coolsten Beatallibanger, die ich je getroffen habe.

Das Publikum war in ausgezeichneter Stimmung, und die Show begann mit dem allerersten Auftritt von Doktor Rock. Dann kamen wir, und sogar mit der gemieteten Ausrüstung klangen wir recht gut. Nein, wir klangen WIRKLICH gut, und die Show endete damit, daß die Fans uns den Weg von der Bühne versperrten, auf daß wir weiterspielen sollten. Das war sehr cool von ihnen, aber wir hatten Sperrstunde und MUSSTEN aufhören.

Nach der Show sprach ich mit einem wirklich coolen Berliner Mädchen namens Daniela. Sie erzählte mir aus der Zeit, als sie im kommunistischen Berlin lebte. Total faszinierendes Mädel. Dann lachte sie, als ein Typ zu mir kam und etwas sagte, das ich nicht verstand. Er schien irgendetwas von mir zu wollen, aber ich wußte nicht, was es war, was sie noch viel lustiger zu finden schien. Der Mann ging angewidert, und das brachte sie erst recht zum Lachen. Sie ging wieder zur Disco, und wir packten unsere Ausrüstung zusammen und teilten uns in zwei Gruppen, da wir an verschiedenen Orten in Berlin übernachteten. Wir mußten unseren Sprinter direkt an einem Zaun parken, damit unser Kram in dieser alten und von hohen Verbrechensraten geplagten Stadt auch im Auto sicher war. Trotzdem ist dieser Ort wirklich schön, und all die Leute, die ich traf, erfüllten mich mit einem guten Gefühl.

Das einzige, was man nach einer Autobahnausfahrt tun kann, ist direkt auf die Autobahn zurückzufahren.

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